GRÜNE beantragen für Bebauungsplan „Tannenhof“ 30 % Anteil Sozialer Wohnungsbau


Wie bereits im Jahr 2015 zur Realisierung in künftigen Baden-Badener Bebauungsplänen beantragt, stellte nun die bündnisgrüne Fraktion des Gemeinderates zur Einleitung des Planfeststellungsverfahrens „Wohnen amTannenhof“ (ehemaliges SWR-Gelände) den nachfolgenden Antrag:

Antrag an OB Mergen 30 % Erhöhung Sozialer Wohnungsbau Tannenhof

Badisches Tagblatt 15. Mai 2018


BNN 15. Mai 2018


Sondersitzung Bauausschuss und Gemeinderatssitzung:

Großkampftag im Baden-Badener Gemeinderat –  SWR-Tannenhof: Zweifel an Versprechungen des Investors –  Der Bauausschuss befasste sich am Montagnachmittag mit dem Bebauungsplan „Wohnen am Tannenhof“.

Die Baden-Badener Gemeinderäte hatten gestern einen arbeitsreichen Montag. Der Bauausschuss beschäftigte sich schon am frühen Nachmittag mit dem Wohnbauprojekt auf dem vom SWR verkauften riesigen Areal von über 50.000 Quadratmetern. Erst langsam scheint den Baden-Badener Stadträten klar zu werden, welche Auswirkungen das größte Wohnbauprojekt der Geschichte in der Baden-Badener Innenstadt auf Wohnungsmarkt und Stadtbild haben könnte.

383 geplante Wohnungen werden die Stadt verändern. Michael Mann, Bauingenieur bei der Epple GmbH, Investor des Mammut-Projektes, versuchte den schwarzen Peter für eine angeblich falsche Darstellung über die Zielgruppen zukünftiger Eigentümer und Mieter den Medien zuzuschieben. Entgegen der «Meldungen aus dem Internet» sei dort ein «Zuhause für alle Schichten» geplant, versuchte der Ingenieur den Baden-Badener Stadträten und der Öffentlichkeit weiß zu machen. Ob sich die Pläne der Heidelberger Investoren grundlegend geändert haben, darf bezweifelt werden. Die wirtschaftlichen Pläne und die Zielgruppen, mit welchen sein Geschäftsführer Hermann Stegschuster in Baden-Baden erfolgreich sein will, hörten sich anders an: «Paare über 50, Singles und Zweithaushalte ohne Kinder», nannte er 2015 im goodnews4-O-TON-Interview den potentiellen Zuschnitt der Kunden, die in Baden-Baden teuren Wohnraum kaufen sollen. goodnews4.de berichtete.

So fällt der Baden-Badener Stadtverwaltung die wenig ausgeprägte Neigung zum Diskurs auf die Füße. Ausnahmslos hatten alle Sachpreisrichter seitens der Stadtverwaltung und des SWR schon 2015 für den Entwurf des Heidelberger Investors und dessen Architekturbüro aus Berlin votiert. Eine dringend notwendige breite Diskussion zu den Auswirkungen auf den Immobilienmarkt, die Verkehrsinfrastruktur und Stadtbild fand nicht statt. Weder mit dem Gemeinderat und schon gar nicht mit den Bürgern. Die Ghettoisierung von zahlungskräftigen Singles und Familien versus normal- und geringverdienenden Familien und Singels geht auch in Baden-Baden unaufhaltsam seinen Weg. Den gesetzlichen Auftrag der sogenannten Daseinsvorsorge erfüllen die Stadtverwaltung und der Gemeinderat nicht. Die beiden Partner, einerseits das der Allgemeinheit verpflichtete Baden-Baden Rathaus und der eigentlich auch der Allgemeinheit verpflichtete öffentlich-rechtliche Rundfunk orientieren sich, folgt man den Ausführungen der Investoren, allein den Gesetzen des Marktes.

Dass nun Michael Mann für den Investor Epple gestern etwas zurückruderte, ist dem viel zu späten Erwachen mancher Stadträte zuzuschreiben. Auf Nachfrage von FBB-Stadtrat Martin Ernst räumte der Epple-Sprecher ein, dass die Quadratmeterpreise in der günstigsten Lage, der sogenannten Tallage, in der Reihenhäuser für Familien geplant seien, zwar noch nicht abschließend feststehen würden, sich aber um 4.000 Euro bewegen werden. Die Wohnungen in diesem Bereich seien in Größe und Zuschnitt so optimiert, dass dafür Fördergelder, beispielsweise der KfW, beantragt werden könnten. Der von etablierten Stadträten ansonsten viel gescholtene Martin Ernst rechnete ohne Widerspruch dann vor, dass bei 4.000 Euro je Quadratmeter eine 150-Quadratmeter-Wohnung 600.000 Euro kosten würde, dies könne sich keine Familie leisten. Er erinnerte an einen Antrag von FBB und Grünen, der zum Inhalt hatte, dass die Stadt das Gelände selbst kaufen sollte. Der Investor Epple baue nun 50 Prozent mehr als in der Auslobung vorgesehen. Die Chance, hier «etwas anderes zu machen», sei, so Martin Ernst, vertan.

Zu den längst verpassten Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten blieb nur noch ein Scharmützel zwischen zwei Rebländern. Günter Seifermann warf Klaus Bloedt-Werner vor, «Sonntagsreden» zu halten. Seine Partei habe einen Antrag auf 30 Prozent sozialen Wohnbau bei solchen Großprojekten bereits im Jahr 2015 gestellt und die Verwaltung habe «akribische Prüfung» zugesagt. Er sehe Möglichkeiten für sozialen Wohnungsbau zum Beispiel in den Erdgeschossen der Wohngebäude. Vermutlich wird es auch zu diesem Feigenblatt nicht reichen. Es sei denn die Immobilienblase kommt zum Platzen, dann dürfte es zuerst im diesem teuren, nicht so ansehnlichen Betonviertel die ersten Leerstände geben. PDF Antrag der Grünen

Mehr: PDF Bebauungskonzept «Wohnen am Tannenhof».  Der Bau- und Umlegungsausschuss stimmte der Beschlussvorlage einstimmig, ohne Enthaltungen zu.

goodnews 15. Mai 2018


BNN vom 16. Mai 2018


 

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